Ausstellung

Sebastian Stenzel - abstract vs. design


Seit der griechischen Philosophie der Vorsokratiker haben wir eine allgemeine Vorstellung von der grundlegenden chemisch-physikalischen und damit strukturalen Zusammensetzung der Welt. Mit Heraklit gelangte dann die Erkenntnis in unser kollektives Gedächtnis, dass nichts auf der Welt ohne sein Gegenteil existiert. Auf dieser Erkenntnis aufbauend entstand in der Philosophie und Bildenden Kunst ein sich in immer neuen Ausprägungen entwickelnder Diskurs um Fragen von generativen Prinzipien, Polaritäten, inhaltlichen oder formalen Gegensätzen, Dialogen.
Sebastian Stenzel ist auf dem Weg, seine Welt aus Gegensätzen oder polaren Kräften zu einer für ihn konsequenten harmonischen Einheit zu gestalten. Zeichnerische und malerische Entäußerungen eines formauflösenden Gestaltungswillens, der die Auseinandersetzung mit der lyrischen Abstraktion, der Aktionsmalerei und dem Informel erkennen lässt, treffen auf gezielt eingesetzte Formungen, Farbanordnungen oder kompositionelle Festsetzungen, die der offenen Form eine Art „Design-Gerüst”, einen kooperativen Halt geben.
Manche seiner Arbeiten lassen an Heinrich Wölfflins in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in vielen Auflagen erschienenes Buch über die „Kunsthistorischen Grundbegriffe” denken, einer Textsammlung, die sich sehr einfühlsam an die wahrnehmungsästhetischen Phänomene der Architektur und Bildenden Kunst herantastet, um in einer Vielfalt von ästhetisch geprägten polaren Begrifflichkeiten zu kulminieren. Es scheint, als hätte sich Stenzel auf die Suche nach grundlegenden Strukturen in der Malerei und Fotografie begeben, einer Suche, die die Ganzheit und das Fragment, die geschlossene und die offene Form, die Zeitlichkeit und Zeitlosigkeit paraphrasierend ausdrückt.
Vielleicht sind seine Werke, die langsam eine individuelle künstlerische Sprache erkennen lassen, symptomatisch für den Versuch vieler zeitgenössischer Künstler, sich – nach vielen Exzessen des Kunstmarktes und der Künstlerüberhöhung – wieder vermehrt auf die Suche nach dem Künstlerischen, Authentischen, Subjektiven und der kreativen Eigenwelt zu machen, um erneut das zu finden, was man mit dem „Wesen der Kunst“ umschreiben könnte.
Stenzel erschafft sich mit seiner auf malerischen, formalen und kompositorischen Polaritäten aufgebauten Bildern und Zeichnungen seinen eigenen künstlerischen Kosmos, der im Kern vieles unserer sichtbaren Welt widerspiegelt, ihr in gewisser Weise im Sinne Cezannes als eine strukturale Parallele gegenübersteht.
Der Aufbruch ist getan. Lassen wir uns überraschen, wie konsequent sich der Weg des jungen Künstlers durch die komplexe Welt der kreativen Werkerfindungen und Werkfindungen entwickelt. In jedem Fall werden wir ihn mit Interesse verfolgen.

Heinroth

Katja Heinroth

lebt und arbeitet in Berlin/Brandenburg, Untergriesbach bei Passau und Béziers/Frankreich

1970 geboren in Bonn
1990 Abitur
1990-1991 Praktikum Lepère Filmgrafik Bonn-Bad Godesberg
1991-1997 Studium Grafikdesign in Trier und Potsdam, Diplom
2003 Werkvertragsvergabe Künstlerförderung Berlin
2003 Ausstellungsförderung Philip Morris, Berlin
2004 Stipendiatin Lucas Cranach Stiftung Wittenberg,

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